Fünftklässler lernen den sicheren Umgang mit Chats und Social Media
Gleich zu Anfang des neuen Schuljahres stand für die neuen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler der Herzog-Tassilo-Realschule ein ungewöhnlicher Unterricht auf dem Programm: ein Crashkurs zu WhatsApp und Klassenchats. Referentin Birgit Zwicknagel von den „Computermäusen“ – einer Jugendschutz-Initiative, die sich für den sicheren Umgang mit digitalen Medien einsetzt – zeigte den Kindern in den Räumlichkeiten der neuen Mensa auf kurzweilige Weise, welche Tücken in Klassenchats lauern, welche Einstellungen sinnvoll sind und welche Nachrichten besser unveröffentlicht bleiben.
Ein zentraler Appell der Expertin richtete sich an die Eltern: Sie sollten den Klassenchat ihrer Kinder regelmäßig inspizieren – nicht zwingend täglich, aber doch zwei- bis dreimal pro Woche. Der Grund: Auf der Rangliste problematischer oder sogar verbotener Inhalte stehen rechtsextreme Symbole und Ausdrücke, Sexting und Gewaltdarstellungen weit oben – alles Dinge, die weder Sohn noch Tochter ungefiltert sehen sollten.
Altersfreigaben, Games und die Gefahr der „Shorts“
Zwicknagel räumte zudem mit verbreiteten Missverständnissen zu Altersbeschränkungen von Apps auf: Freigaben ab null oder sechs Jahren gelten in der Regel als unbedenklich, die Kennzeichnung „ab 12 Jahren“ ist wegen ihrer schwammigen Aussagekraft dagegen mit Vorsicht zu genießen. Auch populäre Games wie Fortnite, Roblox, GTA oder Fifa beleuchtete die Referentin kritisch. Nichts übrig hat sie für die bei Heranwachsenden allseits beliebten „Shorts“, die kurzen Videoclips in sozialen Medien: Sie gewöhnen das Gehirn an immer kürzere Reize – und lässt man sie stundenlang laufen, lässt das Konzentrationsvermögen spürbar nach.
TikTok und Co.: Nichts für Kinder
Grundsätzlich stuft Zwicknagel soziale Medien wie TikTok, Snapchat und Instagram für Kinder als ungeeignet ein; auf TikTok häufen sich jugendgefährdende Inhalte besonders. Wer sich regelmäßig gewaltverherrlichende Bilder und Videos ansieht, so die Expertin, stumpft emotional ab – mit Folgen, die bis weit in die Zukunft reichen können: Solche Abstumpfungen zeigen sich in psychologischen Einstellungstests und können laut Zwicknagel zum Ausschluss vom weiteren Bewerbungsverfahren führen.
Am Ende des Vormittags stand ein Fazit, das über die Schülerinnen und Schüler hinausweist: Aufklärung dieser Art nützt nicht nur den Kindern. Auch Eltern sind gefragt, sich zu informieren und dafür zu sorgen, dass zwischen 20 Uhr und 6:30 Uhr Ruhe herrscht – eine Auszeit von Games, Chats und sozialen Medien, die der Erholung und dem Lernen gleichermaßen guttut.
