Die Realschule Dingolfing hat ihren Achtklässlern einen wichtigen Impuls im Kampf gegen Sucht und Abhängigkeit gegeben. Im Rahmen des Projekts „Gefühle brauchen keinen Konsum“ nahmen die Schülerinnen und Schüler der vier 8. Klassen an einem aufschlussreichen Workshop teil, der von Anton Emerdinger vom Betreuungsverein 1:1 geleitet und durch Erfahrungsgeschichte eines Betroffenen, Sebastian, bereichert wurde.
Zwei Vormittage lang tauchten die Jugendlichen in das komplexe Thema Sucht ein. Das Besondere des Workshops war die Kombination aus fundiertem Fachwissen und der unmittelbaren, persönlichen Perspektive, die durch Emerdingers Erläuterungen und Sebastians Lebensbericht geschaffen wurde. Den Auftakt bildete der Videoclip „Sucht“, der aufzeigte, dass das menschliche Bedürfnis nach engen Beziehungen zu Mitmenschen bei Isolation oder Traumata oft zu einer Bindung an „Ersatzobjekte“ wie Handys, Videospiele oder Substanzen wie Alkohol und Nikotin führen kann. Ein interaktives Element, das schnell die Aufmerksamkeit der Schüler fesselte, war der sogenannte „Konsumkorb“. Hieraus zogen die Schülerinnen und Schüler verschiedene vermeintliche Suchtmittel – von der Flasche Bier über Energy-Drinks und Schmerztabletten bis hin zu Smartphones, Spielkarten und Schokolade. Sie konnten ihre eigenen Erfahrungen teilen und ihr Wissen einbringen, bevor Emerdinger die Themen aus rechtlicher und suchtpräventiver Sicht vertiefte. Besonders prägnant war die Diskussion über den Alkoholkonsum, bei der viele zugaben, dass das erste Bier zwar bitter schmeckte, die berauschende Wirkung aber zur Wiederholung führte. Emerdinger betonte die ernüchternde Zahl von rund 9,3 Millionen Menschen in Deutschland, die Alkohol in gesundheitlich riskanter Form konsumieren. Er erklärte, dass Sucht sich langsam anschleicht und Betroffene oft nicht merken, wann sie in einer Abhängigkeit stecken. Kriterien wie ein starker Konsumzwang, Kontrollverlust, Entzugssymptome oder die Vernachlässigung früherer Interessen seien Alarmzeichen, die sich nicht nur auf Substanzen, sondern auch auf Mediennutzung übertragen lassen.
Der Referent zog gekonnt Parallelen zum Konsum digitaler Medien. Er ermutigte die Jugendlichen, bewusst „Medienzeiten“ festzulegen und „handyfreie Zeiten“ einzuhalten, um nicht in eine ähnliche Abhängigkeit zu geraten. „Von Sucht spricht man immer dann, wenn es zu einem Kontrollverlust kommt, wir die Kontrolle über unseren eigenen Konsum verlieren“, fasste Emerdinger zusammen. Den emotionalen Höhepunkt des Workshops bildete das Gespräch mit Sebastian, dem Betroffenen. Mit großer Spannung lauschten die Schüler seiner Lebensgeschichte. Sein eindringlicher Rat an die Jugendlichen: „Verliert niemals die Kontrolle über den Konsum, denn das Suchtgedächtnis baut sich zwar langsam auf, bleibt aber ein Leben lang bestehen.“ Die Schülerinnen und Schüler erhielten durch diesen Workshop nicht nur eine fundierte Wissensgrundlage, sondern wurden auch auf unterhaltsame und kurzweilige Weise dafür sensibilisiert, sich bewusst gegen Suchtmittelmissbrauch zu entscheiden und die Entstehung von Abhängigkeit zu erkennen. Herr Emerdinger ermutigte sie zudem, bei Problemen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Betreuungsverein 1:1 bietet hierzu eine kostenlose und anonyme Jugendsprechstunde an, montags von 16:00 bis 18:00 Uhr, in der Bahnhofstraße 31 in Landau. Dort gibt es Rat und Unterstützung bei allen Alltagsproblemen und speziell auch bei Sucht, Drogen, Internet und Zocken.
